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Perfektionismus loslassen: Warum du nicht der Beste sein musst, um genug zu sein

Viele Menschen kommen in die Therapie oder ins Coaching mit dem Gefühl, ständig mehr leisten zu müssen. Dabei sind es paradoxerweise genau die Menschen, die gerade sehr gewissenhaft, sehr engagiert, verantwortungsvoll und leistungsfähig sind. Es sind genau die Menschen, auf die man sich im Job verlassen kann, die auch neben dem Beruf noch etliche andere Aufgaben freiwillig übernehmen und bei jedem Sonderprojekt "hier!" schreien, obwohl ihr Pensum schon ziemlich vollgepackt ist.


Aber sie sind gleichzeitig noch etwas anderes: nämlich ziemlich erschöpft. Der innere Anspruch, alles richtig zu machen, keine Fehler zuzulassen und möglichst perfekt zu sein, begleitet sie oft durch den Alltag. Und obwohl sie so viel leisten, haben Sie nie das Gefühl, dass es genug ist, was sie tun. Es könnte immer noch ein bisschen besser, schneller, schöner sein.

Doch genau dieser Anspruch raubt ihnen auch oft die Freude im Leben.


Dabei geht nicht darum, der Beste zu sein. Es geht darum, dein Bestes zu geben. Und dabei mit dir selbst in Kontakt zu bleiben. Wie das geht, erfährst du gleich.


Perfektionismus: Wenn hohe Ansprüche zu innerem Druck werden


Perfektionismus kann antreiben und zu Höchstleistungen führen. Doch er hat auch eine Kehrseite: ständige Selbstkritik, Schwierigkeiten beim Abschalten und das Gefühl, innerlich auf der Strecke zu bleiben. Hohe Ansprüche an sich selbst können zu Erschöpfung, Konflikten und innerem Stress führen.


Viele Betroffene funktionieren nach außen hervorragend. Innerlich sind sie jedoch ständig angespannt. Fehler werden nicht mehr als Teil des Lernens erlebt, sondern als persönliches Versagen. Ruhe fühlt sich nicht mehr gut an, sondern „unverdient“.


Der Wunsch, der Beste zu sein, entfremdet uns von uns selbst


Wer versucht, der Beste zu sein, orientiert sich zwangsläufig an äußeren Maßstäben: Leistung, Vergleich, Anerkennung. Die eigene Zufriedenheit hängt dann davon ab, wie Andere bewerten, was wir tun.


Das Problem daran:


  • Diese Bewertungen liegen außerhalb unserer Kontrolle

  • Sie verändern sich ständig

  • Sie nähren den inneren Kritiker


Perfektionismus ernährt sich von diesem äußeren Blick. Und er sorgt dafür, dass selbst Erfolge sich oft leer anfühlen.


Vergleiche machen müde und selten glücklich


Im Vergleich verlieren wir schnell den Blick für unsere eigenen Bedingungen, in denen wir uns aktuell befinden: unsere Prägung, unsere Geschichte, unsere Ressourcen, unsere aktuellen Herausforderungen. Wir vergleichen unser Innenleben mit dem Außenbild anderer und fühlen uns dabei fast immer unzureichend.

In der systemischen Arbeit zeigt sich immer wieder: Vergleiche führen nicht zu Wachstum, sondern zu Selbstentwertung.


Dein Bestes geben: Ein heilsamer Perspektivwechsel


Ein zentraler Schritt raus aus dem Perfektionismus ist die Rückkehr zu einem inneren Maßstab.

Die entscheidende Frage lautet nicht:„War ich besser als andere?“

Sondern:„War ich heute ehrlich mit mir und meinen Möglichkeiten?“

Dein Bestes ist kein fixer Anspruch. Es verändert sich je nach Tagesform, Lebensphase, Belastung. Und genau darin liegt seine Menschlichkeit.

Wenn du dein Bestes gibst, übernimmst du Verantwortung für das, was du beeinflussen kannst ohne dich selbst zu überfordern.


Selbstwirksamkeit statt Selbstoptimierung


Viele Menschen versuchen, sich immer weiter zu optimieren, um endlich „genug“ zu sein. Doch innere Ruhe entsteht nicht durch noch mehr Anstrengung, sondern durch Klarheit. Dabei hilft, sich darüber im Klaren zu werden, über welche Dinge wir eine Kontrolle haben und über welche Dinge nicht. Habe ich eine Kontrolle darüber, was andere über mich denken? Eher nicht. Habe ich eine Kontrolle darüber, Anerkennung von anderen zu erhalten? Wohl kaum. Was auf dem ersten Blick mag sich das sehr frustrierend anhören, denn wer möchte nicht von anderen gemocht oder besser noch anerkannt werden? Auf dem zweiten Blick, kann es entlastend sein, sich mit einem milderen Blick zu betrachten und sich zu fragen, unter welchen Bedingungen ich gerade etwas geleistet habe und worauf ich tatsächlich eine Kontrolle habe.


Du hast Kontrolle darüber:

  • wie du mit dir selbst sprichst

  • wie realistisch deine Erwartungen sind

  • wie achtsam du deine Grenzen wahrnimmst


Du hast keine Kontrolle darüber:

  • ob du besser bist als Andere

  • ob du immer anerkannt wirst

  • ob Fehler ausbleiben


Wenn dieser Unterschied spürbar wird, entsteht Entlastung.


Erfolg neu denken – gerade für leistungsorientierte Menschen


Ob im Beruf, im Coaching, im Sport oder im privaten Leben: Erfolg bedeutet nicht, an der Spitze zu stehen. Erfolg bedeutet, im Einklang mit sich selbst zu handeln.

Wenn du am Ende des Tages sagen kannst:

„Ich habe getan, was mir heute möglich war.“

… dann hast du etwas erreicht, das unabhängig von äußeren Bewertungen Bestand hat.


Fazit: Du darfst aufhören, perfekt zu sein und darfst Dir selbst genug sein!


Du musst nicht der Beste sein, um wertvoll zu sein. Du musst nicht perfekt sein, um anerkannt zu werden.

Oft beginnt ein erfüllteres Leben genau dort, wo der Perfektionismus leiser wird und Selbstmitgefühl Platz bekommen darf.

Im Coaching oder in der Therapie kann dieser Perspektivwechsel nicht nur entlasten, sondern neue Handlungsspielräume öffnen: für mehr Leichtigkeit, Klarheit und echte Zufriedenheit.


 
 
 

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