top of page

Paartherapie: Wann ist es Zeit, sich Unterstützung zu holen?

8. Sept.
5 Min. Lesezeit

Eigentlich liebt ihr euch. Und trotzdem streitet ihr immer wieder über dieselben Dinge.

Wer mehr im Haushalt macht. Wer sich nicht genug gesehen fühlt. Wie viel Nähe oder Abstand gerade richtig ist. Die Kinder. Die Schwiegereltern. Geld. Sex. Oder darüber, dass einer von euch das Gefühl hat, mit den eigenen Bedürfnissen überhaupt nicht mehr durchzudringen.

Manchmal sind es die großen Themen. Manchmal sind es scheinbar ganz kleine Dinge, an denen sich der nächste Streit entzündet.


Und irgendwann steht die Frage im Raum: Ist das noch eine ganz normale Beziehungskrise? Oder brauchen wir Unterstützung?


Die gute Nachricht: Paartherapie muss nicht bedeuten, dass eure Beziehung gescheitert ist. Im Gegenteil. Sie kann ein sinnvoller Schritt sein, wenn ihr merkt, dass ihr alleine immer wieder an derselben Stelle landet.


Wenn aus einem Streit ein Muster geworden ist


In einer Beziehung geht es selten nur um den konkreten Anlass eines Streits.

„Du hörst mir nie zu.“

„Weil du sowieso immer gleich laut wirst.“

„Ich werde laut, weil du mich ignorierst.“

„Ich ignoriere dich, weil ich keine Lust mehr auf diese Diskussionen habe.“


Und schon seid ihr mittendrin.

Ihr reagiert aufeinander. Und gleichzeitig verstärkt jede Reaktion das Verhalten des anderen.

Aus einem einzelnen Konflikt kann so mit der Zeit ein festgefahrenes Beziehungsmuster entstehen. Einer zieht sich zurück, der andere sucht noch mehr Nähe. Einer wird lauter, der andere macht innerlich zu. Einer kritisiert, der andere verteidigt sich.

Beide möchten eigentlich etwas anderes erreichen: verstanden werden, Sicherheit bekommen, Nähe spüren oder endlich einmal Ruhe haben.

Und trotzdem erreicht ihr häufig genau das Gegenteil.


Warum es so schwer ist, aus diesen Mustern auszusteigen


Wenn ihr euch in einem Konflikt befindet, seht ihr häufig vor allem das Verhalten des anderen.

„Er hört mir nicht zu.“

„Sie kritisiert mich ständig.“

„Er interessiert sich nicht für meine Bedürfnisse.“

„Sie lässt mich nie in Ruhe.“


Das ist verständlich. Schließlich erlebt ihr unmittelbar, was der andere tut.

Weniger sichtbar ist zunächst die Dynamik, die zwischen euch entsteht.


In der Paartherapie geht es deshalb nicht darum, herauszufinden, wer schuld ist.

Viel interessanter ist die Frage:

Was passiert eigentlich zwischen uns beiden?


Was löst welches Verhalten beim anderen aus? Welche Bedürfnisse stehen dahinter? Was versucht jeder von euch zu erreichen und wie kommt es, dass genau dieses Bemühen immer wieder zu Konflikten führt?


Diese Perspektive kann etwas Entscheidendes verändern: Plötzlich steht ihr euch nicht mehr als zwei Menschen gegenüber, die gegeneinander kämpfen müssen. Ihr könnt gemeinsam auf das Muster schauen.


Wann kann Paartherapie sinnvoll sein?


Es gibt nicht den einen Zeitpunkt, an dem ein Paar Paartherapie "braucht“.

Manche Paare kommen nach einer akuten Krise. Andere warten schon seit Jahren und merken irgendwann, dass sie alleine nicht mehr weiterkommen.


Eine Paartherapie kann insbesondere sinnvoll sein, wenn ihr merkt, dass …


  • ihr immer wieder über dieselben Themen streitet

  • Gespräche schnell eskalieren oder immer wieder im Rückzug enden

  • ihr euch emotional voneinander entfernt habt

  • Nähe und Distanz zu einem ständigen Konfliktthema geworden sind

  • ihr euch zwar liebt, aber kaum noch miteinander erreicht

  • einer von euch sich zunehmend unverstanden oder nicht gesehen fühlt

  • alte Verletzungen immer wieder in aktuellen Konflikten auftauchen

  • ihr alleine schon vieles ausprobiert habt, sich aber trotzdem nichts nachhaltig verändert

  • ihr unsicher seid, wie es mit eurer Beziehung weitergehen soll


Dabei muss eure Beziehung nicht „schlimm genug“ sein, um Unterstützung zu verdienen.

Manchmal ist es gerade sinnvoll, sich Hilfe zu holen, bevor aus kleinen Rissen große Brüche werden.


Paartherapie bedeutet nicht automatisch, dass ihr kurz vor einer Trennung steht! Ganz im Gegenteil!


Ein verbreiteter Gedanke ist: „Wenn wir zur Paartherapie gehen, muss es um die Rettung unserer Beziehung gehen.“

Aber auch das ist nicht zwingend.

Vielleicht möchtet ihr eure Beziehung verändern und wieder mehr miteinander in Kontakt kommen. Vielleicht befindet ihr euch in einer Phase der Ambivalenz und wisst selbst noch nicht, ob ihr zusammenbleiben möchtet.


Und manchmal besteht das gemeinsame Ziel auch darin, eine Trennung so zu gestalten, dass sie nicht in gegenseitigen Verletzungen und endlosen Konflikten endet.

Entscheidend ist deshalb nicht, welches Ergebnis am Ende herauskommt.


Entscheidend ist, dass ihr wieder miteinander ins Gespräch kommen könnt. Ehrlich, respektvoll und mit etwas mehr Abstand zu euren eigenen festgefahrenen Positionen.


Was passiert in einer Paartherapie?


Paartherapie bedeutet nicht, dass eine Therapeutin euch sagt, wer Recht hat.

Und sie bedeutet auch nicht, dass ihr eine Liste von Beziehungstipps bekommt, die ihr anschließend abarbeiten sollt.


In meiner Arbeit steht vielmehr die Frage im Mittelpunkt, wie eure ganz eigene Beziehungsdynamik funktioniert.


Was bringt euch immer wieder in dieselbe Schleife?

Welche Bedürfnisse liegen unter den Vorwürfen?

Was passiert, wenn einer von euch sich zurückzieht?

Was braucht der andere dann?

Welche alten Erfahrungen beeinflussen möglicherweise euer heutiges Miteinander?

Und vor allem: Wo gibt es Möglichkeiten, etwas zu verändern?


Dabei geht es nicht darum, einen Schuldigen zu finden. Ihr seid beide Teil der Dynamik und ihr könnt beide dazu beitragen, sie zu verändern.

Manchmal braucht es dafür neue Perspektiven. Manchmal hilft es, Dinge sichtbar zu machen, die bisher nur diffus spürbar waren. Und manchmal geht es ganz konkret darum, wieder miteinander sprechen zu lernen, ohne dass jedes Gespräch in der nächsten Eskalation endet.


Ihr müsst nicht erst am Ende eurer Kräfte sein


Viele Paare kommen erst dann auf die Idee einer Paartherapie, wenn die Beziehung bereits stark belastet ist.

Das ist nachvollziehbar. Hilfe zu suchen kann sich zunächst wie ein Eingeständnis anfühlen: „Wir schaffen es alleine nicht.“

Ich sehe es eher anders.

Sich Unterstützung zu holen, kann auch bedeuten:


Wir nehmen unsere Beziehung ernst.


Ihr müsst nicht erst beweisen, dass eure Beziehung in einer Krise steckt. Es reicht, wenn ihr merkt, dass ihr etwas verändern möchtet und alleine gerade nicht weiterkommt.

Vielleicht ist euer Ziel, wieder mehr Nähe zu erleben.

Vielleicht möchtet ihr lernen, anders miteinander zu streiten.

Vielleicht möchtet ihr verstehen, warum ihr immer wieder an denselben Punkt kommt.

Oder vielleicht möchtet ihr zunächst überhaupt herausfinden, ob und wie es gemeinsam weitergehen kann.

All das darf in einer Paartherapie seinen Platz haben.


Beziehungen dürfen schwierig sein


Keine Beziehung ist immer heiter. Keine Beziehung ist nur wolkig.

Beziehungen verändern sich. Menschen verändern sich. Lebenssituationen verändern sich. Und manchmal passt das, was früher gut funktioniert hat, irgendwann nicht mehr zu dem Leben, das ihr heute führt.


Das bedeutet nicht automatisch, dass eure Beziehung falsch ist.

Manchmal bedeutet es einfach, dass etwas neu ausgehandelt werden muss.


Beziehungen dürfen schwierig sein, sie müssen aber nicht schwierig bleiben.


Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr als Paar gerade in einer Schleife feststeckt und euch Unterstützung wünscht, könnt ihr euch auf meiner Seite über meine Paartherapie in Berlin informieren.


Der erste Schritt muss dabei noch keine Entscheidung über die Zukunft eurer Beziehung sein.

Manchmal reicht zunächst die Entscheidung, gemeinsam genauer hinzuschauen.

 
 
 

Kommentare


bottom of page